Reiten: Jagdreiten

Jagdreiten ist nichts für vorsichtige und zaghafte Menschen. Wer an so einem Natur- und Sportereignis teilnehmen möchte, sollte neben seinem reiterlichen Können auch ein große Portion Mut und Entschlossenheit mitbringen. Die Hunde geben die Geschwindigkeit vor: Es geht über Felder und Wiesen, über Naturhindernisse und auch einmal über ein Bächlein. Die Pferde müssen eine gute Kondition haben, denn es wird eine Entfernung von zehn bis zwanzig Kilometern zurückgelegt.

Die Tradition
Reiten hinter den Hunden ist eine der ältesten Formen der Jagd. In Frankreich (Hirschjagd) und England (hinter lebenden Füchsen) hat die Jagd zu Pferde eine besonders lange Tradition. Zu erkennen ist dies an der britischen Kleidung und den französischen Ausdrücken – wie zum Beispiel Curée (die Beute). In Deutschland verbreitete sich das „Jagdfieber“ erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seit 1934 ist hier die Jagd auf lebendes Wild verboten. In England reitet man, um zu jagen, während in Deutschland schon lange gejagt wird, um zu reiten (Quelle: Deutsche Schleppjagdvereinigung www.drfv-jagdreiten.de).
In Deutschland laufen die Hunde auf einer künstlichen Fährte, dem „Scent“. Sie werden am Ende mit einem Stück Pansen bei der feierlichen „Curée“ nach dem „Halali“ belohnt.

Die Jagd
Die Meute wird von der sogenannten Equipage angeführt. Diese besteht aus dem Master, dem Huntsman, den Pikeuren und dem Schleppenleger. Der Equipage mit der Meute folgt der Jagdherr. Er ist der eigentliche Gastgeber und führt meistens auch das erste Feld der Reiter an. Je nach Teilnehmerzahl und Jagdstrecke wird in mehreren Feldern geritten, darunter auch einem „Nichtspringer-Feld“, das die Hindernisse auslässt.

Nach der Begrüßung am Platz des Stelldicheins wird die Meute zum Anlegeplatz für die erste Schleppe geführt. Erst wenn die Hunde sicher auf der Fährte sind, folgen die Reiter. Eine Jagd ist kein Wettrennen. Der Vordermann wird nicht überholt. Die Jagdstrecke führt je nach Jahreszeit über eine Entfernung von zehn bis zwanzig Kilometern, die aufgeteilt sind in verschiedene Schleppen. Schrittpausen dazwischen und Stopps dienen der Erholung der Meute und von Reitern und Pferden. Die letzte Schleppe endet mit dem "Halali!". Dazu wird die Meute geschlossen an einen Platz geführt, wo die Zuschauer inzwischen eingetroffen sind und die "Curée" (frz. die Beute) vorbereitet ist. Die Reiter sitzen ab und bilden mit ihren Pferden an der Hand einen Halbkreis um die Hunde, und wenn der Master die Curée freigegeben hat, ziehen sie ihre Kappe und rufen "Halali, Halali" (frz für ha la lit, da liegt er.) Danach nehmen die Reiter zu Fuß ohne Pferd aus der Hand der Gastgeberin oder einer Dame, die besonders geehrt werden soll, den Bruch entgegen. Wenn Pferde und Hunde angemessen versorgt sind, klingt der Tag mit einem Beisammensein aus. (Quelle: Deutsche Schleppjagdvereinigung).

Die Vorbereitung
Eine Jagd sollte gut vorbereitet werden, denn Pferde und Reiter müssen große Leistungen erbringen. Der Reiter muss sattelfest sein und seine eigenen Fähigkeiten selbstkritisch beurteilen können. Wer beim Springen noch nicht sicher ist, sollte sich lieber dem „Nichtspringer-Feld“ anschließen. Einen guten Jagdreiter zeichnen Mut und Übersicht aus und das, was auch im normalen Leben für gutes Benehmen gehalten wird: Pünktlichkeit, Umsicht, Rücksichtnahme.
Die Kleidung spielt bei der Jagd ebenfalls eine große Rolle. Der „Rote Rock“ wird heute nur noch selten verliehen als Verdienst für sehr gute reiterliche Leistung. Das „normale“ Starterfeld trägt helle Reithosen und gedeckte Jackets. Regenjacken sind auch bei schlechtem Wetter tabu.
Die Pferde sollten eine gute Kondition besitzen und das Springen von Naturhindernissen gewöhnt sein. Ein Jagdpferd muss also durch kontinuierliche Dressur-, Spring- und Geländearbeit auf die erste Jagd vorbereitet werden. Verschiedene Meuten bieten entsprechende Vorbreitungslehrgänge an.

Jagdreitabzeichen
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat seit 1.1.2000 Richtlinien für den Erwerb des Jagdreitabzeichen Stufe I und Stufe II entwickelt. Fast alle Meuten bieten entsprechende Vorbereitungen dazu an. Hinweise zu aktuellen Terminen finden sich auf den Webseiten der einzelnen Meuten.
19.11.2009