Infektionsschutz - Wie bleibt mein Pferd gesund?

Infektionsschutz durch Immunisierung und Paramunisierung Bakterien, Viren oder Pilze gehören zu jedem Leben, auch zu dem des Pferdes. Ein gesundes Pferd ist in der Lage, sich gegen diese Infektionserreger zur Wehr zu setzen und nur in manchen Fällen wird aus dem Störenfried eine wirkliche Infektionserkrankung, die eine tierärztliche Behandlung notwendig macht. Angriffspunkte sind dabei die Schleimhäute der Atemwege, das Verdauungssystem und die Haut. In den letzten Jahren werden bei Pferden zunehmend Infektionen vor allem der Atemwege verzeichnet. Sie sind oft der Beginn einer chronischen Lungenerkrankung mit aufwendigen Behandlungen durch den Tierarzt und Leistungseinschränkungen des Pferdes. In einigen Fällen kann dann die chronische Bronchitis sogar zum Tod des Pferdes führen. Aus diesem Grund werden verschiedene Maßnahmen vom Pferdebesitzer und vom Tierarzt ergriffen, um dieses zu verhindern. Ursachen für die Infektionsanfälligkeit Das gehäufte Auftreten von Infektionserkrankungen vor allem der Atemwege hat verschiedene Ursachen. Stallhaltung mit stundenweisem Weidegang oder Auslaufmöglichkeiten ist eine, denn Staub und Schadgase der Stallluft belasten so die Atemwege der Pferde stärker als dieses früher bei wildlebenden Pferden der Fall war. Durch körperliche Bewegung wird die Belüftung der Atemwege gewährleistet, die für eine optimale Abwehrleistung der Atemwege wichtig ist. Bewegungsmangel verschlechtert dementsprechend die wichtige Belüftung der Atemwege, Infektionserreger können sich leichter ausbreiten. Zudem kommt es in vielen Ställen zu einem regelmäßigen Wechsel von Einstellern. Dieses bedeutet nicht nur eine Mischung von Pferden aus verschiedenen Beständen sondern natürlich auch einen Austausch vieler unterschiedlicher mikrobieller Erreger. Mit diesen muss sich das Einzeltier auseinandersetzen. Ein besonders wichtiger Faktor, der zur Schwächung des Immunsystems führt und damit zur Entstehung von Infektionen beim Pferd beiträgt, ist erhöhter Stress. Zum einen sind Pferde ausgesprochen stressanfällige Tiere und zum anderen werden immer größere Anforderungen an ihre Leistung gestellt.  Werden die Pferde zudem im Turniersport eingesetzt oder auf Ausstellungen verbracht, sind Transporte z. T. über weite Strecken notwendig. Neben dem Stress des Transportes an sich, sind die ungewohnte Umgebung und die körperliche Anstrengung des Turniers oder der Ausstellung weitere Stressfaktoren, die die Abwehrkräfte schwächen. Dazu bedeuten die Pferde verschiedener Herkunft einen zusätzlichen Pool von Keimen, mit denen sich der gestresste Organismus auseinandersetzen muss. Nicht selten kommt man so im Anschluss an ein Turnier oder eine Ausstellung mit einem kranken Pferd in den Heimatstall zurück. Wie schützt sich das Pferd vor Infektionen? Um eine Infektion beim Pferd auslösen zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Neben dem Vorhandensein eines entsprechenden Infektionserregers in ausreichender Menge, z. B. ein bereits erkranktes Nachbarpferd, spielt die körperliche Abwehrbereitschaft eine wesentliche Rolle. Der Körper besitzt Abwehrmechanismen, die ihm helfen, Infektionen abzuwehren. Es gibt - vereinfacht dargestellt - zwei miteinander verzahnte Immunsysteme: 1. Das so genannte unspezifische  Immunsystem: Zum unspezifischen Abwehrsystem des Körpers gehören z. B. Fresszellen wie Makrophagen oder natürliche Killerzellen, die körperfremdes Material erkennen und beseitigen. Von Gewebezellen oder Abwehrzellen werden weiterhin Botenstoffe (Mediatoren) gebildet, die ganze Abwehrkaskaden des Immunsystems in Gang setzen. Diese Abwehrmechanismen sind bereits bei der Geburt vorhanden. Typische Eigenschaften des unspezifischen Immunsystems sind die Reaktionsschnelligkeit (innerhalb weniger Stunden) und die Unspezifität, d. h. das System unterscheidet nicht, was es bekämpft, ob z. B. Staubpartikel, Pilzsporen oder Bakterien, sondern es erfasst die körperfremde Substanz und eliminiert sie schnellstmöglich. 2. Das so genannte spezifische Immunsystem Das spezifische Immunsystem besteht z. B. aus Zellen, die Infektionserreger erkennen und spezielle Antikörper gegen diesen Erreger bilden. Es wird nach mehrmaligem Erregerkontakt mit der Zeit ein Immunschutz vom Körper aufgebaut, da die Antikörper über verschieden lange Zeiträume im Körper als Gedächtnis bestehen bleiben und bei erneuter Auseinandersetzung mit dem Erreger bereits zur Abwehr vorhanden sind. Bei der Geburt besitzt der Körper noch keinen solchen speziellen Immunschutz. Zwar bekommt das Fohlen mit der Muttermilch Antikörper, die es die ersten 4 - 6 Wochen schützt. Aber anschließend "lernt" das Immunsystem des Körpers erst, spezifische Erreger zu erkennen und einen Schutz gegen die Infektion aufzubauen. 
Charakteristisch für das spezifische Immunsystem ist der langsame Aufbau eines Schutzes (über mehrere Wochen) gegen spezielle Infektionserreger. Wie schütze ich das Pferd vor Infektionen? Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und gute Haltungsumstände sind wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Pferd. Zudem sollte die Kondition des Pferdes der abverlangten sportlichen Leistung entsprechen. Darüber hinaus kann die Abwehrbereitschaft des Pferdes durch tierärztliche Maßnahmen gestärkt werden. Bestimmte Infektionserreger sind regelmäßig an Infektionserkrankungen des Pferdes beteiligt. Gegen diese Erreger wurden spezifische Impfstoffe entwickelt, die nach Grundimmunisierung und regelmäßigen Wiederholungsimpfungen einen zumeist ausreichenden Schutz bieten, wie z. B. gegen Influenza- oder Herpes-Viren. Für Turnierpferde werden bereits Impfungen gegen Influenza-Viren vorgeschrieben. So ist eine große Anzahl von Pferden immunisiert und das Erkrankungsrisiko wird geringer. Nicht gegen alle Infektionserreger oder Schadstoffe können Impfstoffe entwickelt werden. Gerade in häufig variierenden Beständen durch zunehmenden Transport von Pferden spielen multifaktorielle Erkrankungen eine zunehmende Rolle, d. h. eine große Vielzahl unterschiedlichster Erreger in Kombination muss abgewehrt werden. Hier ist das spezifische Immunsystem häufig überfordert und das unspezifische Immunsystem übernimmt wesentliche Anteile an der Infektionsabwehr. Das unspezifische Immunsystem kann - ähnlich der Impfung für das spezifische Immunsystem - durch den Tierarzt aktiviert werden. Das Pferd wird in den Zustand einer erhöhten Abwehrbereitschaft versetzt. Dieses wird Paramunisierung genannt und erfolgt durch Immunmodulatoren, wie z.B. BAYPAMUNE (Fa. Bayer Vital GmbH). Eine Paramunisierung erfolgt am besten 1 - 2 Tage vor einer erwarteten Belastung, z. B. Transport, Stallwechsel, Absetzen oder Weideaustrieb und sollte gegebenenfalls wiederholt werden. Damit ist das Abwehrsystem des Pferdes bereits zum Zeitpunkt der erhöhten Anforderung aktiviert und abwehrbereit. In Studien wurde sogar nachgewiesen, dass immunschwächende Stresshormone, wie z. B. Cortisol, deutlich niedrigere Werte im Blutplasma erreichen, wenn Pferde vor einem Transport mit Immunmodulatoren behandelt werden. Die Paramunisierung kann auch bei bereits bestehenden Infektionen als begleitende Therapie eingesetzt werden. In wissenschaftlichen Studien wurde gezeigt, dass Infektionen dadurch abgemildert wurden. Zusammenfassung Die Anfälligkeit für Infektionserkrankungen beim Pferd wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Um das Pferd vor Infektionen zu schützen und die Abwehrkräfte zu steigern, sind  optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen, körperliche Bewegung, regelmäßige Impfungen und die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte durch Paramunisierung zu empfehlen. 
(aus: Pferde Fit&Vital Nr. 01/2002)