Hufrollenentzündung beim Pferd

Die Hufrollenentzündung (Podotrochlose) zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen bei Pferden. Die Entzündung schädigt degenerativ die sogenannte „Hufrolle“ – ein Komplex aus Strahlbein, tiefer Beugesehne und Hufrollenschleimbeutel. Im Anfangsstadium dieser Krankheit, die auch Strahlbeinlahmheit genannt wird, lassen sich durch gezielte Behandlungsmaßnahme noch gute Heilungserfolge erzielen. Wenn der zerstörerische Prozess zu weit fortgeschritten ist, lahmt das Pferd hochgradig. Eine Heilung ist dann nicht mehr möglich. Deshalb ist wichtig, dass Pferdebesitzer ihre Vierbeiner genau beobachten. Tritt das Pferd vorsichtig aus dem Stall? Ist der Gang beim Reiten etwas klamm? Stolpert das Pferd häufiger? Solche Anzeichen deuten auf beginnende Schmerzen in den Vorderbeinen.

Ursachen
Als Ursache für die Hufrollenentzündung wird allgemein eine Überbelastung der Hufrollen angenommen. Bei Pferden, die in Freiheit leben, tritt diese Erkrankung nicht auf. Der Bewegungsapparat des Pferdes ist als Fluchttier nach vorne gerichtet. Reiten auf gebogenen Linien, Springen oder harte Stopps beim Westernreiten belasten die Hufrolle.
Ein unnormal geformter Huf kann die Hufrollenentzündung ebenfalls begünstigen. Steile, enge oder zu flache Hufe mit engen Trachten dämpfen Stöße nicht so gut und belasten damit die Hufrolle. Zu eng beschlagenen Hufe begünstigen ebenfalls eine Erkrankung.

Aber auch die Selektion in der Zucht spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Raumgreifende Gänge des modernen Reitpferdes belasten ebenfalls den Komplex aus Strahlbein, tiefer Beugesehnen und Hufrollenschleimbeutel. Auch junge Pferde, die noch nie geritten worden sind, weisen diese Erkrankung auf. Eine Vererblichkeit ist jedoch wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

Diagnose
Ein klammer Gang sind erste Indizien für eine beginnende Erkrankung. Die Diagnose stellt der Tierarzt nach einer umfangreichen Lahmheitsuntersuchung. Meistens reagiert das Pferd auf eine Beugeprobe des Hufes mit verstärktem Lahmen. Bei der Beugeprobe werden die Gliedmaßen des Vierbeiners einige Sekunden überdehnt. Danach muss das Pferd lahmfrei antraben. Wenn nicht, ist dies ein Hinweis auf einen entzündlichen und degenerativen Prozess in den Beinen. Eine Leitungsanästhesie kann weitere Indizien liefern. Dabei betäubt der Tierarzt die Nerven, die zur Strahlbeinregion führen. Ist das Pferd danach lahmfrei, muss der Schmerz aus dieser Region kommen.

Röntgenbilder können zeigen, ob Veränderungen am Strahlbein zu erkennen sind. Oft verursachen aber auch die Weichteile, also die Strahlbeinbänder und die tiefe Beugesehne die Schmerzen. Diese untersucht der Tierarzt mit einem Ultraschallgerät oder mittels Szintigraphie. Dabei wird dem Pferd eine radioaktive Substanz gespritzt, die sich an entzündeten Stellen besonders anreichert und mit einer besonderen Kamera sichtbar gemacht werden kann.

Behandlung
Eine Heilung im fortgeschrittenen Stadium ist nicht möglich. Jedoch kann der weitere Verlauf der Krankheit aufgehalten und die Schmerzen gelindert werden. Zunächst muss der deformierte Huf saniert werden. Häufig behebt ein orthopädischer Beschlag alle Probleme. Viele Hufschmiede verwenden runde, nach hinten geschlossenen Eisen (Eiereisen), die hinten etwas überstehen. Dadurch wird der schmerzhafte Druck von der Hufrolle genommen. Durchblutungsfördernde Medikamente können die Heilungsprozess unterstützen. Neu sind Medikamente, die einen neuen Aufbau der Knochen unterstützen sollen. So wurde die Wirkung des Knochenwachstumshormons „Calcitonin“ auch klinisch bestätigt.

Umstritten ist der Nervenschnitt. Das Pferd empfindet dann zwar keine Schmerzen mehr, aber die Krankheit ist immer noch vorhanden. Kritiker meinen, dass die Zeit bis zum Gnadenbrot (oder der Tötung des Tieres) dadurch nur unnötig verlängert wird. Pferde mit Nervenschnitt neigen zudem zu unkontrolliertem Stolpern, was auch für den Reiter gefährlich sein kann.