Hilfe, mein Pferd hustet!

Im Winter und Frühjahr leiden viele Pferde an Atemwegserkrankungen. Scheinbar aus heiterem Himmel fängt ein Pferd an zu husten. Zuerst vielleicht nur kurz zu Beginn der Reitstunden, dann aber immer häufiger. Oft tritt dann auch zähflüssiger weißer Schleim aus der Nase. Spätestens dann sollte der Tierarzt gerufen werden, denn Atemwegserkrankungen beim Pferd müssen sofort behandelt werden. Der Pferdehusten kann nämlich nicht mit einer entsprechenden Erkrankung beim Menschen verglichen werden. Es handelt sich nicht um eine Erkältung, die von selbst wieder weggeht. Der Pferdehusten muss eher mit einer chronischen Bronchitis oder dem Asthma beim Menschen verglichen werden.

Ursache nicht immer deutlich

Atemwegserkrankungen beim Pferd können verschiedene Ursachen haben. Meistens beginnt der chronische Verlauf mit Infektionen durch Influenza- und Herpesviren. Wird diese Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, entwickeln sich daraus häufig Allergien auf Pilzsporen aus Heu- und Strohstaub und Blütenpollen. Bei einer akuten Erkrankungen geht es zunächst darum, dem zähen Schleim zu verflüssigen. Insofern bestehen durchaus Parallelen zum Menschen. Der Tierarzt wird dazu Hustenpulver „verschreiben“, das entweder den Wirkstoff „Dembrexin“ oder „Acetylcystein“ enthält. Eine Behandlung mit Antibiotika ist nur erforderlich, wenn Bakterien den Husten verursacht haben.

Wenn das Pferd hustet, sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden

Nach einer Untersuchung aus dem Jahre 1995 (Sasse) haben bis zu 79 Prozent aller Pferde in Reitanlagen Atemwegsprobleme. Die Haltung scheint also eine große Bedeutung zu haben. Eine zu starke Staubentwicklung in geschlossenen Ställen und in schlecht befeuchteten Reithallen ist Gift für Pferdelungen. In Großbetrieben (mindestens 20 Pferde) besteht zudem eine größere Gefahr, dass die Vierbeiner erkranken, als in bäuerlich-ländlichen Kleinbetrieben (maximal 15 Pferde). In den größeren Ställen haben mehr Turnierreiter ihre Pferde untergestellt. Diese sind vielen fremden Pferdekontakten und damit einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

Eine entscheidende Rolle spielt auch, ob Pferde sich hinreichend bewegen können. Immer noch ist die Boxenhaltung in den Reitbetrieben am weitesten verbreitet. Gerade im Winter verbringen fast alle Vierbeiner im Durchschnitt 22 Stunden in der Box.

Heilung nicht nur durch Medikamente

Experten sind sich einig, dass es nicht ausreicht, Pferde mit Atemwegserkrankungen mit Medikamenten zu behandeln. Pferde in freier Wildbahn erkranken nicht an Husten. Optimale Bedingungen sind also nur im Freien gegeben. Insofern sollte gerade bei chronisch erkrankten Tieren Offenstallhaltung angestrebt werden. Wenn die nicht möglich ist, sollten die Vierbeiner wenigstens das ganze Jahr über an der frischen Luft Auslauf haben.

Damit es erst gar nicht zu einer – eventuell sogar chronischen Atemwegserkrankung kommt, kann man viel zur Vorbeugung tun:

  • Pferde möglichst viel an die frische Luft lassen, das heißt regelmäßiger Weidegang oder ins Paddock stellen. Bei besonders anfälligen Pferden empfiehlt sich eine Offenstallhaltung.
  • Nur Heu und Stroh verwenden, dass eine sehr gut Qualität aufweist.
  • Reitbahnen regelmäßig bewässern, um eine zu starke Staubentwicklung zu vermeiden.
  • Tägliches Training fördert die Selbstreinigung der Lunge.
  • Ein Box mit Fenster sorgt für regelmäßige frische Luftzufuhr.
  • Bei empfindlichen Pferden das Stroh und Heu anfeuchten.
  • Gegen Influenza und Herpesviren impfen – bei Turnierpferden ist das Pflicht.

Heu-Raufe-Fressen-Paddock-Auslauf 

Quelle: Vergleich der Pferdehaltung in bäuerlich-ländlichen Kleinbetrieben mit derjenigen in hauptberuflichen, städtischen Pferdewirtschaftsbetrieben im Hinblick auf einen möglichen Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen, S. Arndt und H.H.L. Sasse, Schlütersche GmbH