Haftung bei Ritten in der Gruppe - Teil 2/3

Dreh- und Angelpunkt der Rechtsprechung zur Gefährdungshaftung, wenn mehrere gerittene Pferde aufeinandertreffen, ist immer wieder, dass dann, wenn der Geschädigte unter dem Gesichtspunkts des „Handelns auf eigene Gefahr“ bewusst ein Risiko eingegangen ist, das über das gewöhnliche Risiko des Reitens hinaus geht, die Haftung des Tierhalters ganz oder teilweise ausgeschlossen sein kann. 

Genügend Abstand sollte immer bewahrt werden

Handeln auf eigene Gefahr 

So entschied beispielsweise das OLG Hamm, dass bei einer Fuchsjagd eine durch zu nahes Aufreiten verletzte Reiterin eine Mitschuld am eigenen Schaden zu tragen hatte. Zwar sah das Gericht die Tierhalterhaftung in diesem Fall grundsätzlich als gegeben an, berücksichtigte aber den Mitverschuldensanteil mit einer 3/5-Quote zu Lasten der zu nah aufgerittenen Geschädigten. Zwar lag das „Handeln auf eigene Gefahr“ der Verletzten nach Ansicht des Gerichts nicht in der generellen Teilnahme an einer Fuchsjagd als Eingehung eines mehr als gewöhnlichen Risikos, jedoch sah es das OLG als erwiesen an, dass der gebührende Sicherheitsabstand nach einem Gangwechsel durch einen Reiterfehler der Geschädigten nicht mehr eingehalten wurde.

Auch bei der Fuchsjagd muss auf genügend Abstand geachtet werden

Was ist aber der richtige Sicherheitsabstand?

Schon in einem Urteil aus dem Jahr 1981 hat das OLG Hamburg - damals von einem Sachverständigen beraten - festgestellt, dass der Sicherheitsabstand bei einem Geländeritt mindestens 10 Meter betragen muss. Damals hatte das Gericht ausgeführt, beim Reiten in der Halle müsste der Sicherheitsabstand 2,50 Meter betragen, im Gelände mindestens 10 Meter und beim Jagdreiten sogar 20 Meter. In derselben Entscheidung wurde festgehalten, dass der Sicherheitsabstand grundsätzlich vom nachfolgenden Pferd zu wahren ist. Auch das OLG Saarbrücken hat dazu folgenden Leitsatz aufgestellt: "Bei einem Geländeritt, an dem mehrere Reiter beteiligt sind, hat der Nachfolgende gegenüber dem Vorausreitenden einen angemessenen Sicherheitsabstand zu wahren."

Eine Pferdelänge Abstand reicht im Gelände oft aber nicht

Kommt es demnach etwa bei der Disziplin Distanzreiten, wo Abstände von 0,5 m bis 1 m keine Seltenheit sind, zu einem Unfall – ein Reiter oder Pferd wird von einem vor oder neben ihm befindlichen Pferd geschädigt -, muss sich der Geschädigte also nach gängiger Rechtsprechung mindestens eine Teilschuld anrechnen lassen, weil er durch die Abstandsunterschreitung eben ein höheres Risiko eingegangen ist als das gewöhnlich vorliegende Risiko beim Reiten

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