Gangarten des Pferdes – der Schritt

Takt und Fußfolge

Der Schritt ist die langsamste Gangart der Grundgangarten und ist eine schreitende Vorwärtsbewegung ohne Schwebephase. Somit ist es auch die ruhigste Gangart, nicht nur wegen des Tempos, sondern vor allem wegen der Fußfolge. Diese beschreibt einen Viertakt und die Füße bewegen sich in folgender Reihenfolge: Links hinten, links vorne, rechts hinten, rechts vorne. Der Hinterhuf tritt dabei in die Spur des Vorderhufes. Es sind immer zwei oder höchstens drei Beine am Boden. Da immer ein Bein am Boden ist, gibt es keine Sprungphase und der Schritt ist für den Reiter erschütterungsfrei. Prinzipiell sollte jedes Training mit einer Viertelstunde Schritt am langen Zügel beginnen, so dass sich die Muskeln und Gelenke aufwärmen und das Pferd entspannt ins Training starten kann. Auch zwischen Trab- und Galoppeinheiten kann man dem Pferd Schritteinheiten zur Entspannung gewähren. Schritt beim Wildpferd in freier Natur

Formen des Schritts

Je nach Versammlungsgrad werden vier Schrittarten mit klarem Viertak unterschieden: Fleißiger Schritt, Mittelschritt, starker Schritt und versammelter Schritt. Beim Mittelschritt geht das Pferd ein wenig ausgreifender, die Hinterhufe sollten dabei etwas über der Spur der Vorderhufe auftreten. Erst nach der Grundausbildung folgen die weiteren Schrittarten, die auch erst in fortgeschrittenen und höheren Dressuraufgaben gefordert werden. Beim starken Schritt müssen die Hinterhufe über der Spur der Vorderhufe auftreten, und zwar deutlich weiter als beim Mittelschritt. Der starke Schritt ist erhabener, aber nicht schneller und die Schrittfrequenz ist nicht eiliger. Durch das dabei verlängerte Zügelmaß wird eine sogenannte Rahmenerweiterung ermöglicht und die Schritte sind ausgreifender. Eine der schwierigsten Aufgaben für Pferd und Reiter ist der versammelte Schritt.Spanischer Schritt am Strand Hier werden kurze, erhabene Schritte gefordert, wobei das Dressurpferd stärker aufgerichtet ist. Der Schritt ist dabei weder verlangsamt noch verkürzt, es erfolgt jedoch eine Rahmenverkürzung, denn die Hinterhand wird mehr belastet und die Vorderhand im Gegenzug entlastet.

Besonderheiten und Einsatz

Die Schrittarten mittlerer, starker und versammelter Schritt gehören neben den entsprechenden Trab- und Galopparten zu den sogenannten Tempi der Dressur. Aber auch bei der Ausbildung des Pferdes sind Tempi und Tempowechsel, die Übergänge, immer von großer Bedeutung. Als besondere Schrittart sei an dieser Stelle die Kunstgangart spanischer Schritt erwähnt, die vor allem als Zirkuslektion Verwendung findet. Bei dieser Schrittfolge werden die Vorderbeine bis zur Waagrechten oder höher angehoben. Damit wird der Ausdruck des Schrittes durch den hohen Bogen des Vorderfußes durch die Luft gesteigert. Ursprünglich entstammt die Bewegung dem Imponierverhalten und trägt dem Geltungsbedürfnis des Pferdes, wie z.B. des Andalusiers, Rechnung. Diese Übung der klassischen Reitkunst fördert die Schulterfreiheit aber auch die Koordination zwischen Vor- und Hinterhand. Zudem ist der spanische Schritt hilfreich zur Kräftigung der Hinterhand und zum späteren Training der Passage. Zudem steht die Gangart Schritt im Vordergrund bei der sogenannten Hippotherapie, wobei das Pferd therapeutisches Medium ist.

Weitere Gangarten des Pferdes